Gamma Knife – Ansichtssache
Mit meinem heutigen Beitrag möchte ich euch, liebe Leser, einen kurzen Einblick in eine für mich sehr persönliche Sache gewähren. Ab Anfang 2008 stellte ich eine fortschreitende Sehschwäche fest, die mich letztlich veranlasste einen Augenarzt aufzusuchen. Dieser überwies mich zu einer Magnetresonanztomographie (MRT), wo zwei Meningeome nach WHO Grad II diagnostiziert wurden. Es handelt sich dabei um einen atypischen („histologisch gutartigen“) Hirntumor.
Die erste therapeutische Wahl ist bei einer solchen Diagnose die neurochirurgische Entfernung der Meningeome. Ich unterzog mich im März und November 2008 jeweils einer Schädeloperation in einem Wiener Krankenhaus, von denen ich mich – so kann man wohl sagen – auch sehr rasch erholen konnte. Nach der ersten Operation war ich nach sechs Wochen, nach der zweiten sogar nach etwas über drei Wochen wieder im Beruf zurück. Es ist wohl nachvollziehbar, dass chirurgische Eingriffe im Hirnbereich eine sehr sensible Angelegenheit sind und auch einem Spezialisten für Schädelchirurgie hier Grenzen des möglichen gesetzt sind. Beide Meningeome konnten teil-resektiert, sprich teilweise entfernt werden, was bedeutet, dass sich in meinem Schädel Rest-Meningeome befinden. Da ein atypisches Meningeom generell zu Rezidiven neigt muss in einem solchen Fall unbedingt zu weiteren therapeutischen Maßnahmen gegriffen werden.
Meine behandelnden Ärzte rieten mir dazu die Rest-Meningeome durch eine konventionelle Strahlentherapie im AKH Wien behandeln zu lassen, sodass ein weiteres Wachstum möglichst unterbunden wird. Diese auf rund 20 Tage aufgeteilten Schädelbestrahlungen wären teilweise sogar ambulant erfolgt, doch beunruhigten mich die bei dem Aufklärungsgespräch erwähnten Nebenwirkungen doch sehr massiv. Ich bin mir schon bewusst, dass man die Erkrankung selbst nicht als Kleinigkeit abtun kann aber ich sehe doch einen sehr großen Unterschied zwischen Nebenwirkungen und möglichen zu erwartenden Dauerschäden. Denn letztlich wurde ich auf die Gefahr einer Erblindung oder geistigen Beeinträchtigung hingewiesen ohne einen konkreten Hinweis auf die Wahrscheinlichkeit solcher Schädigungen zu erhalten. Im nach hinein gesehen bin ich der Meinung, dass auch dieses Gespräch nicht unter optimalen Bedingungen erfolgt sein dürfte.
Ich hatte nach dem Erstgespräch jedenfalls 14 Tage Zeit mich für oder gegen die Strahlenbehandlung zu entscheiden. Ich denke, ihr werdet mir glauben, dass diese Zeit wirklich alles andere als angenehm war. Dass die Meningeome behandelt werden mussten war klar und eigentlich wurde mir nur eine mögliche Behandlungsform aufgezeigt. Ich versuchte medizinische Zweitmeinungen einzuholen, doch gilt mein behandelnder Arzt in Wien auf seinem Gebiet der Neurochirurgie doch als “Kapazität”. Ich möchte hier betonen, dass auch ich ihm bestimmt einiges zu verdanken habe und ihm natürlich keinesfalls diskreditieren möchte (weshalb ich andererseits auch auf eine Namensnennung verzichte). Im Dialog zur Diagnose hätte ich mir aber dennoch mehr Einfühlungsvermögen gewunschen.
Im Zuge tagelanger Internetrecherchen stieß ich auf zahlreiche teils wissenschaftliche Informationen zum Thema Meningeom, aber auch interessante und hilfreiche Patientenplattformen. Besonders herausheben möchte ich hier das Webforum hirntumor.de – eine deutsche Forenseite, wo Patienten mit ähnlicher Diagnose ihre Erfahrungen austauschen.
Ich wurde im Zuge dieser Recherchen auf die radiochirurgische Behandlungsform „Gamma Knife“ aufmerksam, die in Österreich offenbar federführend im Universitätsklinikum Graz – dem zweitgrößten Krankenhaus in Österreich – angewendet wird. Es handelt sich dabei grundsätzlich um eine sogenannte stereotaktische Strahlentherapie, bei der in der Regel aber keine nennenswerten Nebenwirkungen auftreten sollen. Ich nahm telefonischen Kontakt mit Univ.-Prof. Dr. Frank Unger auf, in einem Erstgespräch wurde mir dann bestätigt, dass „Gamma Knife“ bei meiner Diagnose anwendbar wäre. Im Zuge von zwei dreitägigen Aufenthalten in Graz wurden meine Meningeome dann behandelt.
Ich habe natürlich auch meine Ärzte in Wien über die selbst getroffene Wahl meiner Therapie informiert und diese goutierten meine Entscheidung. Die halbjährlichen Kontrolluntersuchungen auf Basis eines MRT absolviere ich seit der „Gamma Knife“ Behandlung in Graz. Die bisherigen Kontrollen verliefen ganz positiv, der nächste Termin steht in etwas über einem Monat bevor.
Ich möchte abschließend aber gerne noch auf das Thema Medizin und Internet aus Patientensicht eingehen. Hätte mir vor einem Jahr jemand erzählt, er würde medizinisch heikle Informationen aus dem Internet beziehen hätte ich wahrscheinlich zur Vorsicht geraten. Dieser Meinung bin ich auch jetzt noch, aber schließlich habe ich auch keine dubiose Alternativmedizin gewählt sondern lediglich eine etwas andere schulmedizinisch zweifellos anerkannte Behandlungsform. Ich will auch den therapeutischen Unterschied zwischen der von Wien favorisierten konventionellen Strahlentherapie und „Gamma Knife“ nicht näher thematisieren, dafür fehlt mir trotz entsprechender Auseinandersetzung damit einfach der fachliche Background. Ich bin froh die Entscheidung so getroffen zu haben, der Weg dorthin hätte aber angenehmer sein können.
Pedro
PS: Für allfällige Rückfragen zu diesem Thema stehe ich selbstverständlich gerne per Mail zur Verfügung.
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